Kardiologenkonvent

Neulich ging ich zum Kardiologenkonvent.

Der Oberkardiologe hatte vor 15 Jahren eine neue OP-Methode erfunden und nannte sie "Heartbreaker". Sie wurde weltweit als Wegweiser für Herzoperationen angenommen, der Oberkardiologe selbst wollte sein Wissen an andere Kardiologen weitergeben und gründete die Heartbreak-Schule. Zum 10-jährigen Heartbreak-Jubiläum waren wir nun alle eingeladen. Seine Schüler rekrutierte der Obere aus ehemaligen Herzpatienten, aber auch andere Kardiologen waren zugegen. Ich bin ja eher nur so eine Hobbykardiologin, also am Herz operiere ich selten, und wenn, dann nur verbal.

Offenbar sind Kardiologen stets auch Fussballfans. Zuerst standen alle auf und sangen ein Fussballlied. Ich sang mit, musste aber vom Teleprompter ablesen. Der Text war in einer Fremdsprache, ich dachte Schwedisch. Nachher erklärte mir ein anderer Hobbykardiologe, dass es Kölsch war. Ich hoffte, dass das Lied keine versteckten Botschaften verkündete, für die ich nun haftbar gemacht werden kann. Das Fussballlied machte aber gleich gute Stimmung. Alle freuten sich jetzt darauf, den Erlebnisberichten der Neu-Kardiologen zu lauschen. Eine berichtete, dass sie selbst einmal einen schweren Herzinfarkt hatte, aber dann das Buch "Hearbreaker" las und sich sofort operieren liess. Die Heartbreaker-Methode gefiel ihr so sehr, dass sie beschloss, von nun an nicht mehr als Sekretärin zu arbeiten, sondern Kardiologin zu werden. Das war wirklich ergreifend. Eine andere sagte: " Ich sage meinen Patienten immer, wenn sie sich ganz auf die Heartbreaker-Methode einlassen, werden sie ein gesundes und glückliches Leben leben." Wir alle nickten anerkennend. Wir wurden beim Nicken auch von einem ziemlich coolen Fotografen aufgenommen. Ich hatte eine gute Frisur, glaube ich.

Es kamen noch mehr Leute zu Wort, die sagten, was sie dem Oberkardiologen alles verdankten: Heilung, Liebe, Hoffnung und einen neuen Beruf oder zumindest Hoffnung auf einen neuen Beruf. Mehr geht wirklich nicht. Jetzt war ich auch ergriffen.

Dann kam Elton John und sagte, auch er sei ein Heartbreaker, aber er könne seine Gefühle nur musikalisch ausdrücken, und zwar mit dem Lied eines anderen. So sang er dies:

http://de.musicplayon.com/play?v=461198

Alle waren noch mehr als vorher ergriffen. Nun gab es keinen Punkt mehr. Alle wollten mehr. Alle wollten Kardiologen sein. Alle wollten tanzen. Sich lieben. Geliebt werden. Heartbreaker pur!

Mein Nachbar, der einzige Teilnehmer, der weder herzkrank war noch war er Kardiologe (er begleitete einen anderen Kardiologen), war plötzlich wie durch ein Wunder von seiner schmerzenden Schulter geheilt und tanzte mit dem Bierglas in der Hand zur nun einsetzenden  Musik von Cindy und Bert.

Ich war gerührt und erstaunt. Mit meinen Gefühlen ringend beschloss ich, den Konvent genau in dem Moment zu verlassen, wo es am schönsten war.

Der Taxichauffeur, ein junger Türke, erzählte mir, wie müde er nachts sei, weil er tagsüber Mechatronie studierte und nachts seinen Lebensunterhalt finanzierte. Als wir am Haus ankamen, meinte er, im Nebenhaus sei die Praxis seines Lungenarztes.

 

Lungenärzte. Wie die wohl so drauf sind?

Comments

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... fällt uns dazu ein: Sheer heart attack - lange nicht mehr gehört.