Paarshit

eve ramone meldet sich zurück aus dem Winter. In Berlin ist nach der letzten Wowi-Katastrophe nun Wowi auf der Fashionweek, deshalb floh ich nach Westdeutschland. Klingt mondän. En réalité habe ich einen Datingservice im Auftrag eines Kunden analysiert - also ein Kuppelportal, das aus den niedersten Bedürfnissen emotional unausgeglichener Menschen Geld macht. Alle haben ein Ziel: Nie wieder frei sein! Bei der Analyse habe ich folgendes gelernt:
- Männer müssen für die Anbahnung von Frauenkontakt immer mehr zahlen als Frauen für Männer (also wie in der Disko, wo Mädels den Fusel umsonst saufen, während die Kerle blechen müssen).
- Alle machen mit. Alle. Die Hauptlast liegt bei den über 30-jährigen bis Anfang 50-jährigen. Also genau das Alter, in dem die Biedermeiers Torschlusspanik wg. Kind, Küche, Kirche verspüren und nochmal aufs Gaspedal drücken, um endlich jemand zu finden, den sie unterdrücken können oder der sie anherrscht.
- Und der sieht so aus: Am meisten mögen Frauen Männer mit Dackelblick. Namen, die ein "-bärchen" oder "Knuddel" enthalten, sehe ich vielfach. Bei den Fotos kommt er am besten mit Hund beim biederen Weib an. Also Kerle mit Dackelblick und Köter sind die Stecher der Zukunft.
- Bei den Frauen zieht immer ein nacktes Bein. Echt! Und Modelposen. Also natürlich nachgestellte, doofe Posen, in denen sich die Tussis auf ihrem Ikeasofa räkeln, während sie ihren H&M-Sweater so ziehen, dass ein Ansatz von Brust sichtbar wird. Auch da ist Dackelblick sehr häufig anzutreffen. Bei den Frauen heisst das jedoch glaub ich "verschmuster" Blick. Namen wie "Mausi" sind tatsächlich äußerst beliebt.
Dann kann man z.B. Bilder sortieren wie beim Memory, aber zu zweit und anonym: Also ich wähle Spaghetti, und wenn der Kerl Schnitzel wählt, passen wir nicht so gut zusammen. Wähle ich lässige Freizeitkleidung (gezeigt wird ein Depp im Berlin-Mitte-Outfit von vor 8 Jahren), dann passt das nicht zum Anzugblödmann auf dem anderen Bild. Fazit: Wenn alle Spaghetti mögen, Harley Davidson geil finden und Anzüge hassen, dann gibt's bald per Mouseklick Gruppensex mit Gleichgesinnten.
Am Unbegreiflichsten, weil es eine vulgäre Zurschaustellung der tappsigen Befindlichkeiten meist unsicherer Menschen ist, und weil es demonstriert, wie verzweifelt diese Menschen sich jemand herbeisehnen, der mit ihnen zu Möbel Höffner fährt und sie auf dem gemeinsam gekauften Knautschledersofa mit Dackelblick anglotzt ("Treue" ist natürlich ein wichtiger Faktor, wär hätte das vermutet), um danach festzustellen, dass man gar keine Spaghetti mag ("Alles Lüge, wir passen doch nicht zusammen").
Die Sehnsucht von "Mausi74" und "Schnuckelbubu" nach Unfreiheit muss so immens sein, dass die Teilnehmer sich nicht einmal scheuen, Fragen wie "Wovor habe ich am meisten angst" zu beantworten. Für alle Mausis und Dackel sichtbar steht dann unter einem Foto, auf dem sich eine füllige Mittvierzigerin mit Muskelshirt mit träumerischem Blick auf ihrem Teppich räkelt, dass "Gerdihasi70 am meisten Angst davor hat, dass jemand, der ihr sehr nahe steht, stirbt". Man kann auch per Dropdown-Menü ankreuzen, was man an sich selbst am liebsten und am wenigsten mag: "Meine Brüste" bzw. "Mein Hintern" sind Standardantworten. Würde ich bei sowas mitmachen, würde ich natürlich schreiben, dass ich am meisten Angst vor meinem Hintern habe, gefolgt von meinen Brüsten.
Da diese Art der Unfreiheitsanbahnung immer weitere Kreise zieht, ist es nicht verwunderlich, dass Menschen sich ihr Unglück per Klick auf eines oder mehrere der tausend Portraits wie abgepackte Schweinesteaks im Supermarkt aussuchen. Ich nehme an, über abgepackte Schweinesteaks im Supermarkt wird in den Medien kritischer berichtet als über diese profane, vulgäre und zynische Ausbeutung der biedermeierischen Angst vor dem Alleinsein. Wie beim Pressfleich ist allerdings auch hier Freiwilligkeit die Grundvoraussetzung. Ich muss ja nicht mitmachen. Mir selbst macht die Sorglosigkeit der Teilnehmer am meisten Angst. Was soll's, das ist eben ein Zeichen unserer Zeit.

Ich kauf Fleisch frisch bzw. abgehangen bei Staroske. Meinen Gatten hab ich per Klick (naja Klatsch) auf seinen Hintern aufgegabelt, der heilige Julius von Arabien ist mein Zeuge! Ich hatte kein Foto von ihm, sondern konnte ihn in Realtime beim Gehen, Stehen, Sitzen und vom Klo kommen (dabei schüttelt er meist die Hände, als ob der Nagellack trocknen müsste) und Reden (das erste, was ich ihn sagen hörte, war, wie er seinem Mitarbeiter einen Use Case als Szene in einem Doris Day Film beschrieb und dann hinzufügte "aber jetzt keine Kakteen zwischen unsere Betten") beobachten und mir wurde warm ums Herz, wie kein Mäuschen77 es sich vorstellen kann.

Comments

Letztens behauptete ein Psychologe, Helmut Berger dürfe nicht ins Dschungel Camp, weil er nicht mehr zurechnungsfähig sei. Ich weiß zwar nicht, was Dschungelcamp und Zurechnungsfähigkeit miteinander zu tun haben, aber der wird's schon wissen.
Ich weiß aber, dass übermotivierte Singles auf Braut-/Bräutigamsschau definitiv unzurechnungsfähig sind, egal auf welcher Plattform sie sich tummeln, Internet, die kleine Kneipe nebenan oder die Mädchenhandel-Satan Kantine und während der Jagdsaison treiben da ganz komische Blüten.
Aber wo ist die Ursache zu suchen? Na klar im ZDF Vorabendprogramm. Da gibt's den sympathischen  Tierarzt mit Bernhadinerblick, der Dackeln hilft und einen dressierten Affen hat, den tollen Reitlehrer, der die Lehrerin beglücken darf, Förster, die sich um verletzte Rehe kümmern und ökologisch weichgespült sind. Dannnoch ein bisschen RTL 2 Erotik und schon ist die Chose  am dampfen: Dackelblick und Ludermieder!
 
Soviel Glück und Harmonie, Naturnähe und Tierliebe hält keine Sau über Jahre aus und erinnert mich an die Foltermethode in dem Film "123", in der Horst Buchholz mit Itzibitziteenieweeniehonolullu Strandbikini stundenlang gequält wird. Kurz vor dem Wahnsinn kapituliert er.
Helmut Berger foltert sich selbst, warum auch immer, aber jetzt zu Dir, Eve! Was ist Deine Entschuldigung dort zu arbeiten? Du bist jung und brauchst das Geld?
 
 

Schwägerin, ich arbeite schon lange nicht mehr abhängig.
Mit meinem unabhängigen Beratungsunternehmen helfen wir Organisationen, ihre Prozesse besser in den Griff zu bekommen. Die betreffende Organisation ist angenehm, neugierig, offen für neue Ideen und die Führungsriege ist sehr erfreut über unsere Dienstleistungen. Ein wirklich guter Kunde.
Der Post handelt ja nicht vom Jammern über Arbeit, sondern von meiner Verwunderung über Menschen im Netz.

  • Colt-Seavers: Ein Cousin und eine Bekannte, aber keine Frau
  • Dactary: Außer dem Affen kann ich mich an nichts erinnern. War da noch ein alter Mann? Ein Löwe? Jedenfalls keine Frau.
  • Trio mit vier Fäusten: Zwei Kerle und ein Nerd, keine Frau
  • Flipper: Ein Vater, ein paar Kinder, ein Delphin
  • Lessie: Hm, wer spielte da noch mit außer dem Hund?

Der schielende  Löwe bei Dactary hieß Clearance!

Er hieß Daktari mit i. Und natürlich gab es eine Frau: Daktaris Tochter Paula. Und ein Schwarzer und ein Weißer, die aber Amerikaner sind. Alle sind Amerikaner und leben im afrikanischen Busch. In Afrika, also irgendwo zwischen Sahel, Douala und Cape Town. Aus reiner Menschenliebe, äh Affenliebe. Der Affe hieß Joudy.
Da Dorian und seine Schwägerin ein paar Jahre jünger sind, freue ich mich über die Segnungen des Alters. Dafür habt ihr mir das Wissen um Colt Seavers voraus. Dazu war ich damals schon zu alt.

Helmut Berger war mal König Ludwig, er war schön, bissig, schwul und immer verrückt. Der angenehmere Klaus Kinski sozusagen.
Ich empfehle seine Biographie "Ich". DIe erschien vor ca. 15 Jahren. Er beschreibt sein wildes Partyleben. Nein, nicht gääähhhn, SEIN wildes Partyleben war wirklich wild. Rolf Eden erblasst bestimmt noch heute vor Neid.
Eine Szene gefällt mir immer wieder: Helmut wurde zu einem Diner eingeladen und trug einen weißen Smoking. Weil er vorher zu viel gekokst hatte und dazu einige Glaserln Wein reingezischt hatte und außerdem nichts gegessen hatte - in den 60er und 70er Jahren aß man nicht - bekam er plötzlich Durchfall und kackte in seine weiße Smokinghose. Die Dame neben ihm, ich weiß nicht mehr ob Grace Kelly oder Bianca Jagger, wich aber nicht von seiner Seite, so dass Helmut ewig lang in seiner Kacke am Tisch saß.
 
Ob das stimmt oder nicht, ist eigentlich egal. Ich fand es damals bemerkenswert, dass er darüber schrieb.
Dschungelcamp? Ist das der Ort, wo der dicke Showmaster (Dick und Doof in Personalunion) sein Unwesen trieb, bevor er (ich hab's aus den Titeln der Bild beim Vorbeigehen) das Zeitliche segnete? Warum fahren dicke und doofe Menschen in den Dschungel, um dort doof zu sein? Doof sein kann man doch auch in Prenzlauer Berg oder in Wiesbaden. Und warum guckt kein Mensch sich doofe Menschen beim Doofsein im Prenzlauer Berg oder Wiesbaden an, sondern im Dschungel? Die Antwort: Weil's in der Glotze kommt.
O-Ton Oma Z: Ja wenn sie's im Fernseher zeigen, wird's schon stimmen.
 

Es geht um's Geld und darum sich wieder etwas im Lichte der Öffentlichkeit zu sonnen, oder sagt man im Rum zu suhlen?

Wenn einer im lichten Moment entschieden hat, in den Dschungel zu gehen, dann Helmut. Nach dem Motto: ich bin alt, ich bin krank, ich bin arm und das Badezimmer muss dringend renoviert werden. Wenn es einen legitimen Grund gibt, dann doch wohl den.
Er begrüßte den Rest der C-Liga mit: Hallo, ich bin ein Weltstar, wer seid ihr? pinkelte dann auch in den Dschungel, worüber sich alle anderen warum auch immer aufregten, was ich überhaupt nicht verstand, weil a) man ihm sagte, die Toilette stinkt (Toilette im Dschungel????) und b) die C-Liga bei vollem Bewußtsein Kakalaken frißt, aber sich aufregt, wenn Helmut an den Baum pisst. Nochmal er tat es nicht auf dem Ku'Damm, nicht auf der Maximilianstraße, nicht vor den Salzburger Festspielen sondern im DSCHUNGEL!!!
Und auf blödes vulgäres Gepöbel seitens eines blöden überhaupt keiner Liga zugehörenden sonstwie gearteten Stars erwiderte er sehr sachlich und im tiefsten weanerisch: Jetzt werd a aba gewöhnlich!
Die 3 Sätze, die Helmut im Dschungelcamp von sich gegeben hat, waren die TV highlights der Woche inklusive des Ausspruchs: ne Banane zum Fressen und nen Affen zum Bumsen werde ich schon finden.

Elitepartner bietet Beziehungen für Akademiker und Singles mit Niveau. D. h. Akademiker können reich polygam sein. Kein Mensch kennt den Grund für diese Moralvorstellungen, auf jeden Fall ein Grund mehr einen Studienabschluß zu machen.